Blog — Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz

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«Es geht mir nicht gut»

Guest User

Einer jungen Journalistin geht es immer schlechter. Sie erzählt über ihre Depression und darüber, wie sie wieder zu sich selbst gefunden hat.

Von Denise Brechbühl

«Es geht mir nicht gut». Diesen Satz wagte ich anfangs nicht laut auszusprechen. Wir leben in einer Welt, in der Perfektionismus erwartet wird, setzen uns selbst jeden Tag unter Druck, oder werden unter Druck gesetzt. Jeder sollte immer das Beste geben und der Beste sein. Gleichzeitig sollten wir in unserer Gesellschaft mit unserer Art nicht zu sehr auffallen. Wer nicht in gewisse Schemen passt, wird als nicht «normal» bezeichnet.

Auch das Alter spielt mit: Bei vielen diktiert ein straffer Zeitplan das Leben. Ich habe mich stetig unter Druck gesetzt, weil ich dachte, mir geht die Zeit aus. Erst heute weiss ich, dass jede und jeder im eigenen Tempo leben soll. Es sollte keine Rolle spielen, in welchem Alter man den Abschluss macht, oder den ersten Vollzeit-Job ergattert. Viel wichtiger ist es, wie es dir geht.

Die Depression und Ich

Als es mir schlecht ging, setzte ich dennoch ein Lächeln auf. Und ich kann schon gar nicht mehr an den Händen abzählen, wie viele schlaflose Nächte ich hatte. Meine Gedanken gingen immer tiefer in eine Abwärtsspirale. Ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren im Alltags- und Berufsleben sorgten dafür, dass es mir immer schlechter ging.

Der Beruf Journalist*in erfordert viel Konzentration, ich fühlte mich oft gestresst, wollte überall dabei sein und alles machen. Ich fühlte den Druck, über alle Aktualitäten Bescheid zu wissen und nichts zu verpassen. Innert kurzer Zeit wollte ich zu viele Träume verwirklichen im Job wie auch im Alltagsleben – für mich selbst blieb kaum Zeit. Dabei vergass ich, Prioritäten zu setzen und auf mich selbst zu achten, anderen Menschen gab ich den Vorrang.

Durch die Corona-Pandemie verschlimmerte sich meine Situation. Keine Präsenz mehr in der Fachhochschule, nur noch zuhause arbeiten und studieren. Wenn ich alleine in meinem Zimmer war flossen die Tränen. Ich fühlte Druck in meiner Brust und hatte Schwierigkeiten zu atmen. Wieso muss mir dies passieren? Dieser Gedanke schwebte mir oft durch den Kopf. Ich verlor den Fokus in meinem Leben. Auch dachte ich daran, wie es wäre, wenn ich nicht mehr existieren würde. Ich fühlte mich leer, missverstanden, betrogen und wertlos. Ich war am Boden und schämte mich dafür. Das Leben ist unfair, das ist nicht einfach zu akzeptieren.

Wegen der Corona-Pandemie hat es derzeit lange Wartefristen, bis ein Platz bei einem Psychologen oder einer Psychiaterin frei wird. Daher suchte ich notfallmässig eine Psychiaterin in einem Spital auf. Als ich erfuhr, dass ich an Depression leide, war das wie ein Schlag ins Gesicht. Mitte März 2021 ging ich freiwillig in eine Klinik. Dieser Schritt brauchte sehr viel Mut und Stärke. Doch erst dort begann die Arbeit an mir selbst, was nicht einfach ist. Ich musste mich mit all den negativen Aspekten befassen, die mir passiert sind. Der Weg zur Besserung ist ein schwerer Prozess.

Schreiben als Therapie

Ich habe schon immer gerne geschrieben, doch als ich von der Psychologin den Auftrag bekommen habe, als Therapieform meine negativen Erlebnisse aufzuschreiben, habe ich zuerst gezögert. Dennoch schrieb ich nach einiger Zeit über die Dinge, die mich Nächte lang wachhielten und wegen denen ich zu viele Tränen vergossen hatte. So konnte ich wieder Platz schaffen für die Menschen und Träume, die mich stark machen und vorwärtsbringen.

Ich bin ein grosses Durcheinander. Manchmal weiss ich nicht, wer ich wirklich bin, warum ich auf eine Art und Weise reagiere, oder wohin ich will. Doch das ist in Ordnung. Niemand kann perfekt sein und wir sollten uns vielmehr gegenseitig über unsere Ecken und Kanten austauschen.

Hier findest du Hilfe

Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in Krisen und für ihr Umfeld da:

Angst im Journalismus: Stefan und der Berufseinstieg zu Pandemiezeiten

Guest User

Kann Journalismus Angst machen? In dieser Mini-Serie sprechen wir mit Journalistinnen und Journalisten über ihre Ängste. Stefan wollte gerade seine journalistische Karriere in Angriff nehmen, als eine Pandemie ausbrach und er reihenweise Absagen auf Praktika bekam. Er redete sich ein, nichts wert zu sein. Mit Hilfe einer Psychologin hat gelernt, mit seinen Zukunftsängsten umzugehen.


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Podcast: Mental Health im Journalismus

Guest User

Zum Start unseres Themenschwerpunktes zu psychischer Gesundheit im Journalismus: eine erste Auslegeordnung. Livia Schmid hat dazu Zahlen gesammelt und mit der Psychologin und Personalentwicklerin Daniela Landau gesprochen. Sie bietet zum Beispiel am MAZ in Luzern Kurse zu Stressbewältigung und Ressourcenmanagement an.

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Die Branche, die auf andere Branchen mit dem Finger zeigt, muss auch auf sich selbst schauen

Guest User

Der Verein Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz lanciert einen Schwerpunkt zum Thema «Mental Health» im Journalismus. Befragungen unter den Mitgliedern zeigen: Die Branche sollte offener über das Thema sprechen, sonst geht der Nachwuchs verloren.

Text: Karin A. Wenger. Mitarbeit: Simona Boscardin, Livia Schmid, Simon Schaffer, Gina Bachmann.

«Man geht in diesen Beruf, weil man dafür brennt. Man muss wahnsinnig aufpassen, dass man nicht verbrennt.» – Vinzenz, 33.

Wir wissen von mehreren Mitgliedern unseres Vereins, die ein Burnout erlitten. Ein Burnout mit unter 30.

Journalist:innen stehen unter Stress und die Arbeitsbelastung ist hoch – nicht immer, aber immer wieder. Als wir vergangenes Jahr die Work-Life-Balance und die psychische Belastung durch den Job auf unserem Instagram-Kanal erwähnten, wurden wir von Nachrichten überhäuft. Viele schrieben uns, sie seien froh, dass jemand über diese Themen, über die oft geschwiegen wird, offen spreche.

Seither haben wir uns viele Gedanken gemacht, viel diskutiert und Inhalte produziert. Und vor allem: Wir haben mit unseren Mitgliedern gesprochen. Entstanden sind Videos, Podcasts und Texte, in denen junge Journalist:innen erzählen, wie sich der Beruf auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Vorweg: Nicht alle Menschen in der Medienbranche leiden. «Eigentlich haben Journalist:innen eine gute Stressresistenz, weil sie zufrieden sind mit dem Beruf», sagt Daniela Landau, Psychologin und selbstständige Personalentwicklerin. Sie bietet am MAZ Luzern Kurse zu Stressbewältigung und Ressourcenmanagement an.

Doch die Stressresistenz hat Grenzen. Das haben viele in der Branche bereits erfahren. Auch, weil sie die Grenzen der Belastung überschritten haben, wie wir in den Gesprächen erfuhren.

Die Probleme, von denen junge Journalist:innen erzählen:

Stress und lange Arbeitstage

«An einem Freitagabend um 19 Uhr wusste ich, dass ich bis am nächsten Tag noch sieben Texte schreiben muss. Ich konnte entweder zusammenbrechen und heulend dasitzen oder mich zusammenreissen. Ich arbeitete bis Mitternacht und war am nächsten Tag morgens um sieben schon wieder in der Redaktion.» – Vinzenz, 33

Breaking News, Content produzieren, Deadlines – die journalistische Arbeit ist oft mit Zeitdruck verbunden. Zusätzlich führen Sparmassnahmen dazu, dass viele junge Medienmacher:innen das Gefühl haben, keine Zeit mehr zu haben, um die Arbeit gut zu erledigen: «Zu merken, dass immer weniger Leute da sind, ist wirklich ein grosses Thema. Die Ansprüche werden aber nicht runtergeschraubt», sagt Konrad, 31.

Zudem gehören lange Arbeitstage für viele zum Alltag. In diversen Redaktionen ist es normal, Überstunden nicht aufzuschreiben. Gerade Junge verspüren manchmal den Druck, so ihr grosses Engagement unter Beweis zu stellen. Unter anderem, weil in der Branche Menschen, die ständig arbeiten, glorifiziert werden – auch von den Jungen selbst. «Man hat die ganzen Workaholics um sich herum, und man denkt vielleicht: Wow, die arbeiten immer. Du bewunderst sie für das, was sie erreicht haben», sagt Helena, 23.

Arbeit und Freizeit vermischen sich

«Ich war in den Ferien, zwei Wochen an einem Festival. Ich hatte das Handy verloren und das erste, was ich tat: Ich schrieb meinem Chef vom Handy meines Freundes, dass er mich unter dieser Nummer erreichen kann, wenn etwas ist.» – Helena, 23

Ein Problem, von dem JJS sehr oft hört: Junge Journalist:innen haben grosse Mühe, in ihrer Freizeit nicht zu arbeiten. Darunter leidet die Erholung. 24/7 online und erreichbar zu sein, wird von manchen Chef:innen erwartet: «Ich habe mir schon oft überlegt, Benachrichtigungen auf dem Handy auszuschalten. Aber das löst einen Stress aus, dass ich etwas nicht mitkriegen könnte. Einmal war ich krank und bekam dann zu hören: ‹Was, du hast die Mails nicht angeschaut?› Seither traue ich mich nicht mehr, komplett abzuschalten», sagt Noëlle, 25.

Immer informiert sein

Ein weiterer Grund, der dazu beiträgt, dass Junge in der Freizeit nicht abschalten können:

«Wenn ich am Montag ins Büro gehe, wird von mir erwartet, die Sonntagszeitungen gelesen zu haben. Und zwar nicht überflogen, sondern besonders jene Berichte, die mein Ressort betreffen, detailliert gelesen zu haben. Ich müsste in der Lage sein, eventuell eine Anschlussgeschichte zu machen. Das heisst: Mein Sonntag ist nicht nur Freizeit, sondern besteht auch aus Zeitungslesen. Zum grossen Teil macht mir das Spass, es kann aber auch belastend sein.» – Konrad, 31

Starke Identifikation mit dem Beruf

Die schlechte Work-Life-Balance mag auch daran liegen, dass sich die meisten Jungen mit ihrer Rolle als Journalist:in identifizieren. Sich abzugrenzen, fällt schwer. Besonders, weil viele mit Leidenschaft in den Beruf einsteigen:

«Es gab eine Zeit, in der ich alles aufgegeben habe, was ich neben meinem Job noch hatte. Irgendwann lag so viel Druck auf diesem Job, weil ich dachte: Wenn ich nicht Journalistin bin, wer bin ich dann?» – Helena, 23

Hohe Verantwortung und Angst vor Fehler

In manchen Redaktionen fehlt ein konstruktiver Umgang mit Fehlern. Bei jungen Journalist:innen kann das Angst und zusätzlichen Stress auslösen. Manche schlafen schlecht oder gar nicht, bevor ein Beitrag publiziert wird.

«Jedes Wort, das du irgendwie falsch schreibst, kann dir um die Ohren gehauen werden. Du musst extrem präzise sein, und das war insbesondere zu Beginn im Arbeitsleben als Journalist eine rechte Belastung.» – Konrad, 31

Druck, Dinge zu tun, die man nicht will

Einige unserer Mitglieder erzählen, dass es sie psychisch belastet, wenn sie Beiträge produzieren, auf die sie lieber verzichten würden:

«Ich habe auch schon Geschichten gemacht, bei denen ich merkte: Ich kann das nicht wirklich mit mir vereinbaren. Aber es ist vielfach Druck da, liefern zu müssen und gefallen zu wollen. Man ist mega jung und hat einen Chef, der sagt: Bis dann muss ich es haben.» – Simona, 25

Schlechte berufliche Perspektiven

«Ich habe nicht grosse Hoffnungen, dass ich irgendwann eine Vollzeitstelle finde, wo ich den Journalismus machen kann, für den ich brennen würde.» – Ursina, 27

Ein Problem, das von fast allen angesprochen wurde, sind die schlechten beruflichen Perspektiven. «Viele Journalist:innen, gerade auch jüngere, haben Angst um den Job. Man hört dauernd von Sparmassnahmen, was einhergeht mit dem Gefühl von Ohnmacht, weil man keinen Plan B hat», erklärt die Psychologin Daniela Landau. Dies führe zu einem toxischen Kreislauf: Um den Job zu behalten, arbeite man noch länger und genauer. Darunter leide wiederum die Work-Life-Balance.

Die Folgen

Das Paradoxe ist, dass wir einen Beruf in der Kommunikationsbranche ausüben, uns selbst wahrscheinlich als Kommunikationsprofis bezeichnen würden. Doch über uns und unsere Gefühle kommunizieren wir nicht. In den Newsrooms herrscht eine Kultur, die kaum Schwäche zulässt. Eine Meta-Studie aus dem Jahr 2012 zeigt, dass Journalist:innen glauben, das Vertrauen des Arbeitgebers und der Kolleg:innen zu verlieren, wenn sie offen über ihre psychische Erkrankung sprechen würden.

Probleme werden oft verschwiegen und normalisiert. Der Zustand von diversen unserer Mitglieder ist: Irgendwie kriege ich es schon auf die Reihe. Die Frage ist: Wie lange noch?

«Es gibt diesen unhaltbaren Mythos, Journalist:in könne man nur mit Leidenschaft sein. Ganz konkret: Diese Arbeitsbedingungen hält man oft nur mit Leidenschaft aus.» – Robin, 32

Mehrere Personen berichten uns von schlechtem Schlaf, hohem Koffeinkonsum, von vielen Zigaretten und viel Alkohol als Folge der beruflichen Belastungen. Wir haben Mitglieder, die unter Dauerstress leiden, sich schlechter konzentrieren können, Angst entwickelten, ein Burnout erlitten, an einer Depression erkrankten. Kurz: Sie verlieren die Freude am Beruf. Und damit verliert der Journalismus langfristig Talente, die ursprünglich mit viel Leidenschaft in den Job eingestiegen sind.

JJS findet: Die Branche, die auf andere Branchen mit dem Finger zeigt, muss endlich auch auf sich selbst schauen.

Über Probleme reden, und was dann?

Natürlich möchten wir uns nicht nur beschweren, sondern auch handeln. Was kannst du tun, wenn dich der Job belastet? Wie kannst du ein Burnout verhindern? Wie können wir die Stress-Kultur im Newsroom verändern? Und was unternehmen die Schweizer Medienhäuser konkret, um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen zu unterstützen?

Das alles wirst du in den nächsten Wochen von uns erfahren. Wir haben eine Menge geplant. Und wir werden uns nicht nur beschweren, versprochen.

Unsere Inhalte zum Thema Mental Health findest du ab sofort unter: www.jjs.ch/mental-health

Wir verweisen zudem auf das Mental Health Toolkit vom International Journalists’ Network.

* In einer früheren Version verwendeten wir das Wort “jammern” im letzten Zwischentitel. Wir haben das geändert, weil es nicht die passende Wortwahl war.

«Guter Sportjournalismus muss anders sein»

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Als Kind hat Jan Zürcher bei Eishockey-Übertragungen den Fernseher stummgeschaltet und die Spiele zu Hause selbst kommentiert. Heute ist er im Alter von 28 Jahren bereits erfahrener Sportjournalist und leitet das Sportressort auf der multimedialen Redaktion der Südostschweiz-Medien in Chur.

«Guter Sportjournalismus muss anders sein», sagte Jan, als wir ihn Anfang Mai gefragt haben, worauf es eigentlich in seinem Beruf ankommt. In einem einstündigen Gespräch gab er uns einen ehrlichen, kritischen und lebhaften Einblick in seinen Beruf.

Was heisst «anders sein» genau? Kann man das üben? Wie führt man Interviews mit Sportlerinnen und Sportlern, ohne dass diese mit Floskeln antworten? Und wie wahrt man die nötige journalistische Distanz zu den Sportlerinnen und Sportlern oder Vereinen, die man eng begleitet?

Auch das haben wir Jan gefragt. Das ganze Gespräch gibt es hier als Podcast nachzuhören.

Sportjournalismus ohne Sport

Seit über einem Jahr sieht sich der Sportjournalismus zudem nochmals ganz neuen Herausforderungen gegenüber. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie stand der Sportbetrieb zunächst ganz still. Wie hat Jan mit seiner Redaktion dann guten Sportjournalismus gemacht, als gar kein Sport stattfand? Was haben sie dabei gelernt? «Die Pandemie hat das Berufsverständnis von Sportjournalist*innen wieder gestärkt», findet Jan, und kann dieser Zeit, trotz aller Widrigkeiten auch etwas Gutes abgewinnen.

Seit mehreren Monaten nun finden wieder Spiele, Turniere und Wettkämpfe statt - allerdings sind die Sportjournalist*innen meist die Einzigen, die in die Stadien oder an die Rennstrecken dürfen. Ist Sportjournalismus in der Pandemie wichtiger geworden?

Die Antwort gibt Jan im Podcast.

Ressortleiter mit 27

Schliesslich drängt sich eine weitere Frage auf: Wie wird man mit 27 Jahren Leiter einer multimedialen Fachredaktion? Mit welchen Erwartungshaltungen ist das verbunden? Und was sind die unschönen Seiten einer Führungsposition? Nach rund einem Jahr als Ressortleiter zieht Jan Zürcher mit JJS Bilanz - im Podcast.


Neuer JJS-Vorstand und grosse Pläne fürs 2021

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Zwei Frauen sind neu in den JJS-Vorstand gewählt worden. Themenmonate, Podcast-Formate und eine Journalismus-Tagung sollen 2021 das bestehende Angebot ergänzen.

Die Mitglieder des Vereins «Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz» (JJS) haben an der Mitgliederversammlung am Samstag Gina Bachmann und Simona Boscardin neu in den Vorstand gewählt. Charleen Bretteville hat den Vorstand verlassen.

Gina Bachmann studiert Soziologie an der Uni Basel und arbeitet auf der Nachrichtenredaktion von ch media. Sie war ausserdem bereits an der Organisation des von JJS jährlich organisierten Journalismusfestivals «Journalismus Jetzt» beteiligt. Simona Boscardin studiert an der Zürcher Hochschule der Künste Cast/Audiovisual Media. Zuvor hat sie die Ringier Journalistenschule absolviert und war Redaktorin beim «Blick».

Bereits seit Juli führt Camille Bernheim das Generalsekretariat von JJS. Das Co-Präsidium mit Silvan Zemp (Radio SRF 4 News) und Pascal Scheiber (Blick TV) ist wiedergewählt worden. Ebenso die übrigen Vorstandsmitglieder Karin Wenger (freie Journalistin), Flavia von Gunten (Berner Zeitung), Livia Schmid (Radio FR), Vanessa Hann (Watson), Simon Schaffer (Bundeshausradio) und Noah Fend (Der Bund).

Neue Angebote
Das neue Vereinsjahr bringt auch inhaltliche Neuerungen mit sich: Im Frühling will JJS mit einem Themenmonat den Fokus auf die psychische Gesundheit von Journalistinnen und Journalisten legen. Wie gehen sie mit unregelmässigen Arbeitszeiten und langen Arbeitstagen um? Wie mit der täglichen Flut schlechter News? Dazu sind zum Beispiel Workshops und Diskussionsrunden geplant.

Im August wird es eine Tagung über Inland- & Politikjournalismus geben, an der sich die jungen mit den gestandenen Politjournalistinnen und -journalisten austauschen können. Ganz nach dem Vorbild der Auslandjournalismus-Tagung, die JJS letzten September erstmals durchgeführt hat. Das bereits bestehende Podcastformat wird ebenfalls ausgebaut und erneut ist das dreitägige Journalismusfestival «Journalismus Jetzt» in Planung, welches dieses Jahr im September stattfinden soll.

Netzwerk für Junge
JJS zählt aktuell gut 400 Mitglieder. 2020 konnte der Verein deutlich weniger neue Mitgliedschaften verzeichnen als in den Vorjahren. Das hat auch damit zu tun, dass viele Veranstaltungen Pandemie-bedingt nicht stattfinden konnten.

Weihnachtswunschliste für Journalistinnen und Journalisten

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10 Dinge, die sich Journalistinnen und Journalisten auf Weihnachten wünschen. Oder: der ultimative Gschänkli-Guide für alle, die nicht wissen, was sie ihren lieben Medienleuten unter den Tannenbaum legen sollen. JJS-Vorstandsmitglieder und ehemalige «Humans of JJS»-Teilnehmende erklären, welche Dinge auf die Wunschliste aller Journalistinnen und Journalisten gehören.

  • Janosch Tröhler, Head of Community bei blick.ch: Mein Vorschlag wäre «The Infinite Game» von Simon Sinek. Das Buch beschreibt brillant, was in unserer Arbeitskultur und dem vorherrschenden wirtschaftlichen Mindset komplett falsch läuft. Gleichzeitig schenkt es Hoffnung, steckt voller Optimismus und regt zu einem anderen Blickwinkel an.

  • Simon Schaffer, JJS-Vorstandsmitglied: Ein Win For Life-Lösli mit Hauptpreis. Jeden Monat genug Stutz für die Unabhängigkeit und damit genügend Zeit für tiefere Storys.

  • Samantha Zaugg, Freie Journalistin: Das meiste, was man sich wünscht, braucht man nicht. Und das, was man wirklich braucht, sollte man sich einfach besorgen. Darum kein Wunsch, sondern ein Aufruf: Macht euch selbst ein Geschenk und kauft euch ein Abo für eine richtig gute Wochenzeitung oder ein Magazin. Und zwar zwingend von einem Medium, bei dem ihr nicht selbst arbeitet.

  • Julius E.O. Fintelmann, Freier Journalist: Das Buch «Deadline. Wie man besser schreibt» von Constantin Seibt steht schon lange auf meiner Wunschliste.

  • Karin Wenger, JJS-Vorstandsmitglied: Dieser Tischaufsatz. Ein super Teil: Überall, wo es kein Stehpult hat, kann man damit im Stehen arbeiten. Ausserdem bringt es das Laptop in einen angenehmen Winkel.

  • Gina Bachmann, Redaktorin CH Media: Auf der Redaktion, aber auch im Zug, wäre ich immer wieder mal froh, das Hintergrundrauschen ausschalten zu können. Noise-Cancelling-Kopfhörer wären da eine hilfreiche Sache. Toll finde ich aber auch, wenn man an Weihnachten auf Geschenke verzichtet und stattdessen etwas spendet. Zum Beispiel dem liebsten Nischenmagazin, Reporter ohne Grenzen oder natürlich JJS.

  • Pascal Scheiber, JJS-Co-Präsident: Ich wünsche allen wirklich guten Kaffee! Mein Favourit ist der «Furioso» von Henauer. Dank der stark gerösteten Kaffeebohne und einer Kakao-Pfeffer-Tabak-Note spürst du auch bei der Arbeit im Home-Office ein Hauch Italianità.

  • Annina Häusli, Redaktorin nau.ch: Die Bücher von Perlen des Lokaljournalismus. Etwas zum Lachen kann man in dieser Zeit sehr gut gebrauchen.

  • Silvan Zemp, JJS-Co-Präsident: Mobile Journalism ist auf dem Vormarsch. Schnell ein Video aufzeichnen, einen Gesprächspartner interviewen – und dann ist der Ton schlecht? Ein Mikrofon fürs Smartphone hilft. Ob Lavalier- oder Handmikrofon: Die Tonqualität dankts. Und nicht zuletzt kann man damit auch wunderbar Podcasts aufzeichnen.

  • Elia Blülle, Redaktor Republik: Bücher! «Humankind: A Hopeful History»: Weil sich Journalistinnen immer wieder fragen sollten, welches Menschenbild sie mit ihrer Berichterstattung vermitteln – und ob dieses auch akkurat ist. «Why We’re Polarized»: Ezra Klein zeigt, wie das amerikanische Mediensystem und die Politik eine Gesellschaft so stark polarisiert haben, dass sie nichts mehr zusammenbringt. Das Buch ist auch eine Warnung an Journalisten und Journalistinnen. «She Said»: In diesem Buch erzählen Jodi Kantor und Megan Twohey, wie sie den Fall von Harvey Weinstein recherchiert haben. Eines der besten Lehrstücke in journalistischer Praxis. «It Doesn’t Have to Be Crazy at Work»: Because.

Podcast: Wie?So! Spezial – Berichten unter schwierigen Umständen

Guest User

Nicht überall auf der Welt können Journalistinnen und Journalisten so (verhältnismässig) störungs- und gefahrenfrei arbeiten wie in der Schweiz. Barbara Lüthi, Christian Zeier und Helene Aecherli wissen das aus eigener Erfahrung. Sie erzählen davon in der neuesten Folge.

Barbara Lüthi wurde zum Beispiel während Ihrer Zeit als China-Korrespondentin für das SRF mehrmals festgehalten und ihre Arbeit wurde systematisch verhindert. Christian Zeiers Recherchen in Afrika wurden auch schon mal von einem wütenden Mob gestört. Und auch Helene Aecherli, die meist Reportagen aus dem Nahen Osten schreibt, kennt sich aus mit dem Katz- und Mausspiel mit Behörden, Sicherheitsdienst und Stimmungsmache gegen Medienschaffende. Die drei erfahrenen AuslandreporterInnen sprachen mit Karin Wenger am Wie?So! Spezial in Bern.

Und: Hier schreibt der freie Journalist Christian Zeier für JJS über die “Helfer im Hintergrund”, die sogenannten Fixer.


Hier gehts zur Übersicht auf der Podcast-Plattform Spreaker.


Auslandsjournalismus: Wir sollten aufhören, die Helfer im Hintergrund zu verschweigen

Guest User

Wer im Auslandsjournalismus komplexe oder gefährliche Recherchen realisieren will, ist auf lokale Mitarbeitende angewiesen. Über diese Fixerinnen und Fixer wird kaum gesprochen – zu selten erhalten sie die Anerkennung, die sie verdienen.

Von Christian Zeier, freier Journalist

Schreibe ich Reportagen aus Somalia, Nigeria oder Moçambique, publizieren die Magazine und Zeitungen meinen Namen und den des Fotografen. Was jedoch meistens fehlt: Der Name der Person, die massgeblich zum Gelingen der Recherche beigetragen hat. Fast alle Auslandsreporterinnen und -reporter sind bei grossen, komplexen oder gefährlichen Vorhaben auf die Zusammenarbeit mit lokalen Mitarbeitenden angewiesen. Diese sogenannten Fixer oder Fixerinnen (englisch auch Stringer) sind Einheimische, welche die Lage vor Ort besser kennen, die besseren Kontakte haben und einen besseren Zugang herstellen können als die ausländischen Journalistinnen und Journalisten. Kurz: Sie sind der Schlüssel für eine gelungene Auslandsreportage. Fixerinnen und Fixer organisieren Gespräche, Transport oder Sicherheit. Sie übersetzen wenn nötig, manche fahren sogar selbst – und manchmal, da sind sie die Einzigen, auf die man sich als Reporter im Feld verlassen kann.

Als ich in Kano, im Norden Nigerias, kurz vor den Präsidentschaftswahlen 2015 von einer Menschenmenge auf einen Polizeiposten gezerrt wurde, weil man mich der Spionage verdächtigte, war ich den Übersetzungs- und Verhandlungskünsten meines Fixers ausgeliefert. Nach Stunden des Verhörs verliessen wir den Posten ohne Geld- oder Gefängnisstrafe. Wäre ich alleine so glimpflich davongekommen? Ich denke nicht.

Manch andere Reportage wäre ohne Hilfe von Fixern nie zustande gekommen. Darunter auch die Recherche «Credit Crisis» , für die unser Recherche-Team REFLEKT dieses Jahr den Swiss Press Award und den Zürcher Journalistenpreis erhalten hat. Hätten wir ohne lokalen Mitarbeiter Zugang zu unseren Gesprächspartnerinnen und -partnern erhalten? Wohl kaum. Hätten wir gewusst, wie die moçambiquanischen Sicherheitskräfte operieren und wie wir unsere Interview-Partner schützen können? Eher nicht. Hätten wir Einsicht bekommen in die vertraulichen Kreditverträge der Credit Suisse? Kaum vorstellbar.

Christian Zeier interviewt einen Eritreer in Äthiopien. Ohne Fixer hätte er das Vertrauen des Mannes kaum gewonnen.

Christian Zeier interviewt einen Eritreer in Äthiopien. Ohne Fixer hätte er das Vertrauen des Mannes kaum gewonnen.

Und so geht es weiter. Meine Reportagen aus Somalia: ohne Fixer zu gefährlich. Vertrauen zu gefolterten Eritreern in Äthiopien aufbauen: ohne Fixer zu aufwändig. Berichterstattung aus Sierra Leone, dem Epizentrum der Ebola-Epidemie: ohne Fixer kaum möglich.

Die Bedeutung von Fixerinnen und Fixern im Auslandsjournalismus kann gar nicht überbewertet werden. In einem oft unbekannten Kontext ersetzen sie das Netzwerk, das man sich im eigenen Land während Jahren mühsam aufbaut. Gerade Reporterinnen und Reporter, die für wenige Wochen in teils gefährliche Gebiete reisen, sind auf diese Unterstützung angewiesen.

Das zeigte sich auch kürzlich beim JSS-Podiumsgespräch zum Thema «Berichten unter schwierigen Umständen» . Immer wieder war die Rede von lokalen Mitarbeitenden, die diesen oder jenen Job erledigt haben – doch wurde ihre Mitarbeit auch ausgewiesen? Kennt irgendjemand in der Schweiz den Namen einer Fixerin oder eines Fixers? Laut der wohl umfangreichsten internationalen Untersuchung zum Thema erwähnen 60 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten selten bis nie die Namen ihrer lokalen Mitarbeitenden. Demgegenüber steht die Perspektive der Fixerinnen und Fixer: 86 Prozent wünschen sich, dass sie manchmal oder immer erwähnt würden.

Wir Auslandsjournalisten sollten aufhören, so zu tun, als ob es die Helfer im Hintergrund nicht gäbe.

Natürlich ist die Zusammenarbeit mit ausländischen Medienschaffenden meist ein gut bezahlter Job und natürlich profitieren viele Fixerinnen und Fixer von dieser Kooperation. Doch das ändert nichts daran, dass sie für ihre Arbeit Anerkennung verdienen. Wir Auslandsjournalistinnen und -journalisten sollten aufhören so zu tun, als ob es die Helferinnen und Helfer im Hintergrund nicht gäbe. Wir sollten transparenter sein und die Namen derer nennen, die unsere Arbeit ermöglichen. Vorausgesetzt natürlich, sie möchten das.

Besonders in heiklen Kontexten kann es für Fixerinnen und Fixer riskant sein, ihre Namen zu publizieren. Denn sie sind es, die in den Ländern leben, die ich als Reporter wieder verlasse. Sie tragen das Risiko drangsaliert, eingesperrt oder gar getötet zu werden. Dazu passt eine andere Zahl aus der erwähnten Befragung: Über 70 Prozent der Journalistinnen und Journalisten behaupten, dass sie ihre lokalen Mitarbeitenden nie oder sehr selten in Gefahr bringen. Mehr als die Hälfte der befragten Fixerinnen und Fixer sagen genau das Gegenteil.


Tipps zur Zusammenarbeit mit Fixern
Diese Liste ist unvollständig, Ergänzungsvorschläge gerne an post@christianzeier.ch

  • Fixer finden:
    Mund zu Mund: Welche Kollegin, welcher Kollege hat schon mal in dieser Region gearbeitet? Wer könnte jemanden empfehlen?
    Internationale Publikationen zum Thema lesen, AutorInnen anschreiben.
    Spezialisierte Datenbanken (bspw. www.worldfixer.com).

  • Auswahl:
    Wenn möglich persönliches Gespräch führen. Das Bauchgefühl muss stimmen, Vertrauen ist A und O.
    Abwägung zwischen Etablierten (für internationale Medien gearbeitet, grosses Netzwerk, teurer) und Newcomern (will sich beweisen, weniger Kontakte, günstiger).
    Wichtig: Ein guter Fixer sagt auch, was nicht geht.

  • Ziele & Rolle definieren:
    Möglichst früh Arbeitsbedingungen festlegen. Welcher Lohn für welche Leistung? Spesen? Verfügbarkeit?
    Ziele: Was kann der Fixer leisten? Was ist seine Rolle? Was kann/will er nicht machen? (Übersetzer, Fahrer, usw.)

  • Arbeit vor Ort:
    Bei Gefahr oder in unsicheren Situationen auf Fixer hören.
    Klare Rollenverteilung: Du weisst, wie das Endprodukt aussehen soll und was du zu Hause abliefern willst; er weiss, was vor Ort möglich ist und was nicht.
    Planänderungen mit Fixer besprechen.

  • Publikation:
    Fixer erwähnen (falls gewünscht und nicht gefährlich für ihn).
    Entweder in Byline oder "Mitarbeit Recherche".
    Bei Unsicherheiten und falls gewünscht: Text an Fixer schicken, Feedback einholen.

  • Generell:
    Fixer schützen – vor, während und nach der Zusammenarbeit!
    Nie vergessen: Fixer bleiben im Land, über das du berichtest. Sie tragen allfällige Konsequenzen deiner Arbeit.
    Arbeit auf Augenhöhe, Kommunikation. Siehe dazu auch: https://niemanreports.org/articles/fixing-the-journalist-fixer-relationship/

Christian Zeier hat diesen Beitrag anlässlich der JJS-Tagung zu Auslandjournalismus geschrieben. JJS hat keine Vorgaben zum Inhalt gemacht.
Website:
www.christianzeier.ch
Kontakt:
post@christianzeier.ch